Auf dem Motorrad von Dresden nach Murmansk III

9. Juni 2014

„Sorry, I have no free places!“ Die Dame hinter dem Tresen guckt mich mitleidig an. Es war eine ziemlich harte Tour von  Częstochowa nach Warschau. Die Gegend südlich der Hauptstadt ist nicht gerade ein touristischer Hotspot. Schnurgerade Straßen in einförmiger Landschaft; die polnische Provinz. Und es ist heiß. Jeder Ampelstopp bringt mich zum Kochen, fast im wörtlichen Sinn. Man sitzt in der Kluft auf dem Motorrad, sieht die gemäß des Wetters gekleideten Damen und denkt sich so seinen Teil…Das einzige Highlight ist eine zum Restaurant umgebaute IL 18.

Zweitnutzung

Zweitnutzung

Kilometer fressen, sonst nichts. Ich hatte mir einen Campingplatz am Stadtrand von Warschau auf dem östlichen Weichselufer ausgesucht. Die Route dorthin sollte durch die Stadt gehen.

Warschau

Warschau

Hat sich als schlechte Idee erwiesen. Im Verkehrsgewühl verfahre ich mich und hab irgendwann komplett die Orientierung verloren. Einen richtigen Stadtplan habe ich natürlich nicht. In Richtung der Weichselbrücken nur noch Schrittgeschwindigkeit. Macht mit der URAL so richtig Spaß… Also noch mal 25 km in den Süden, in der Hoffnung, dass der Weichselübergang bei Gora Kalwaria einigermaßen passierbar ist. Gefühlte einhundert LKW-Fahrer hatten den gleichen Gedanken. Aber irgendwann bin ich drüben. Einen Stadtplan habe ich mir an der nächstbesten Tankstelle gekauft. Der Zeltplatz: vor meinem inneren Auge schon eine Dusche und ein kaltes Bier. Ich bin verdreckt, durchgeschwitzt und hungrig, kein Wunder nach fast dreihundert Kilometern auf der Landstraße. Aber die Dame lässt nicht mit sich handeln: no free places. Sie empfiehlt mir einen anderen Platz. Heißt aber nochmal quer durch die Stadt und wieder über den Fluss. Ich bin satt, aber was bleibt mir übrig. Warschau von seiner schönsten Seite: fünfspurige Straßen und alle Spuren belegt. Langsam habe ich Angst um’s Motorrad. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schrittgeschwindigkeit für einen luftgekühlten Motor bei diesen Temperaturen gesund ist. Irgendwann bin ich da, und dann gibt’s auch das ersehnte „Kulturprogramm“…

Morgen ist Warschau dran.

Ein Gedanke zu „Auf dem Motorrad von Dresden nach Murmansk III

  1. Das große Versprechungen wird nun eingelöst: Endlich wird geschrieben, und das gar nicht mal schlecht! Wer den Schreiber kennt, versteht noch mehr als der gute Text hergibt. Ja erlebe weiter für uns! So muss ich nicht selbst in die Metropole. Grüße aus dem heißen Germanien, Peter

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