Der Spaltpilz

Montag für Montag ziehen sie nun durch Dresden, seit einem Jahr. Mal bedrohlich schweigend, mal lautstark pöbelnd. Und seit einem Jahr ertönen von den Rednertribünen die gleichen demagogischen Floskeln. Mitunter in einem Tonfall, für den das Wort Gürtellinie keinerlei  Bedeutung mehr hat. Die Retter des Abendlandes haben ihre Bühne (und offenbar ihr Publikum) gefunden. Einfache Lösungen für komplexe Probleme. Man kann ihr Programm eigentlich auf vier Punkte reduzieren:

1) Merkel muss weg!

2) Lügenpresse!

3) Wir lassen uns nicht verarschen!

4) Volksverräter!

Mich wundert es, dass die Genialität dieser Gedanken von den politisch Verantwortlichen einfach nicht erkannt wird. Und die Angst vor jungen, kräftigen, muslimischen Männern ist sozusagen Pflicht. Genauso wie die Verachtung für Gutmenschen, wie auch immer man diesen Begriff definiert. Kein Gedanke wird daran verschwendet, warum es derart viele Menschen hierher zieht. Kein Gedanke daran, dass eine Tradition dieses Abendlandes eben auch die christliche Nächstenliebe sein sollte. Einfach einen Zaun um unser schönes Europa ziehen und schon sagt sich der geneigte Flüchtling: „Oh, ich habe verstanden!“ Komplexe Zusammenhänge eignen sich eben nicht für’s Empörungsentertainment. Man könnte es mit einem müden Lächeln abtun, wenn es nicht einen wirklich ernsten Hintergrund hätte. Pegida spaltet Dresden. So deutlich muss man es sagen! Und diese Polarisierung, die mitten durch Familien und Freundeskreise geht, verhindert jeden Diskurs über die wirklich anstehenden Probleme. Und verhindert das Finden von Lösungen. Für die Flüchtlinge, die nun mal da sind. Und für Dresden, um wieder zu einem normalen, politischen Alltag zu kommen. Die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge erfordert einem enormen Kraftaufwand und große Toleranz gegenüber Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und deren Auffassungen und Vorstellungen uns zuweilen fremd erscheinen. Aber dies als Vorwand für Hass, das Schüren von Angst und das generelle Infragestellen unseres politischen Systems zu benutzen, ist verachtenswert. Es gibt  Worte dafür: Demagogie und Hetze! Und wer der Demagogie und der Hetze verfallen ist, ist nur schwer für eine sachliche Diskussion zu gewinnen. Pauschale Politikerbeschimpfungen ersetzen kein Sachargument. Und so taumelt Dresden von einer Montagsdemonstration zur nächsten, mit immer schrilleren Tönen, von beiden Seiten. Und dazwischen stehen die, die mit ihrer ganzen Kraft versuchen, die Situation der Flüchtlinge irgendwie zu verbessern. Und die dafür von den „Besorgten Bürgern“ unerträglich diffamiert werden. Das Ende der Spirale ist nicht abzusehen. Interessant ist in diesem Zusammenhang mal eine Sichtweise aus der von den Abendlandverteidigern so gelobten Schweiz:

Die missbrauchte Stadt

Ein jeder möge sich seine eigenen Gedanken machen…

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